Ist Luftpolsterfolie im Verpackungsbereich noch zeitgemäß?

Mitarbeiter von Streit Service & Solution packt im Logistikzentrum ein Packet mit Luftposterfolie

Ein Grundproblem des E-Commerce und des Versands von Waren ist der Verpackungsmüll, der allerdings zum Schutz der Ware zwingend erforderlich ist. 

Immer wieder werde ich gefragt, ob im Rahmen einer nachhaltigen, ökologischen Unternehmensstrategie Luftpolsterfolie noch zeitgemäß ist und wir nicht im Sinne der Nachhaltigkeit besser auf Packpapier (Stopfpapier) setzen sollten.

Mit dieser Fragestellung setze ich mich schon sehr lange auseinander.

Bei einem Vergleich der verwendeten Materialen zum Schutz der Produkte mit Luftpolster bzw. Packpapier (Stopfpapier) müssen zwei grundlegende Punkte berücksichtiget werden. 

  1. Es ist die gesamte Energiebilanz relevant, die zur Produktion, zur Lieferung, Lagerhaltung und Rückführung in den Recyclingkreislauf erforderlich ist.
  2. Es ist zwingend zu unterscheiden, ob wir über B2C (Business to Consumer) sprechen, oder über B2B (Business to Business).

Warum verwenden wir Luftpolsterfolie im Verpackungsbereich für B2B-Kunden?

Im B2B Bereich und der Anlieferung von Kunden mit umweltgerechter Entsorgung und sortenreinem Recycling bedeutet Luftpolster als Verpackungsschutz verpacken mit Luft – umweltfreundlicher geht es kaum. Denn 99 % Luft und nur 1 % Folienbestandteil bedeuten unterm Strich: fast 100 % Entlastung. Folie zerknautschen, Luft rauslassen und als recyclingfähiges Material dem Kreislauf wieder zuführen. So sparen Luftpolster auch Ihnen als Kunden jede Menge Verpackungsmüll! Wenn wir unsere Kartons mit Papier ausstopfen, um Ihre Ware zu sichern, dann schicken wir damit eine vielfache Menge Packpapier durch die Lande. Und das Papier verschwindet hinterher nicht, der Verpackungsmüll bleibt in vollem Umfang zurück. Anders Luftpolster: Sie bestehen zu 99 % aus LUFT und nur zu einem Prozent aus Folie. Der Recyclinganteil an Folie liegt je nach Verwendung bei weit über 95 %. 

Im Gegensatz dazu verliert die Papierfaser in jedem Recyclingprozess an Festigkeit und kann daher nur mit einem geringeren Teil recycelt werden. Packpapiere werden unter Zugabe von Wasser aus zerfasertem Holz (meistens Fichte oder Kiefer) und Kleister hergestellt. Die Fasern sind bis zu 4 mm lang und der Papierbrei ist durch das im Holz enthaltene Lignin braun. Für Kraftpapier wird Sulfatzellstoff zugesetzt, um es besonders fest zu machen. Die Zusammensetzung der Fasern richtet sich beim Packpapier nach den an das Papier gestellten Anforderungen. Packpapier ist in der Regel ein Papier, was sich durch besonders hohe Reißfestigkeit, Berstfestigkeit, Knitterfestigkeit und Steifheit auszeichnet. Heute wird Packpapier zumeist aus Holzschliff und Strohzellstoff, manchmal auch aus Jutefasern hergestellt. Kraftzellstoff-Papiere müssen aber mindestens 50 % Frischfasern-Sulfatzellstoffe und weniger als 50 % Kraftpapierabfälle enthalten.

Im direkten Vergleich ersetzt eine kleine Rolle Luftpolsterfolie ca. 16 Rollen Packpapier, die mit hohem Energieaufwand auch recycelt, produziert, versendet und gelagert werden müssen. Auch die Abholfrequenz und das Volumen an Altpapier ist um ein Vielfaches höher als im Vergleich mit Luftpolsterfolie. Auch diese Transportaufwendungen müssen bewertet werden.

Eine Energiebilanz weist rechnerisch den Verbrauch von Primär- und Endenergie nach. Sie bildet damit eine Grundlage für die Beurteilung von Produktionsabläufen, Verfahren und Versorgungssystemen. Die Energiebilanz kennzeichnet bei nachhaltigen Produktionsmethoden den gesamten Aufwand zur Herstellung, zum Betrieb und zur Weiterverwertung (Entsorgung oder Recycling) von Produkten. Dabei wird nicht nur der Energieverbrauch bei der Produktion, sondern eben auch die zur Herstellung und Entsorgung notwendige Energie und Ressourcen (graue Energie) bewertet.

Ist Biofolie eine nachhaltige Alternative?

In den letzten Monaten wird auch verstärkt der Einsatz von Biofolie diskutiert. Auch hier muss man unterscheiden zwischen biobasierenden Kunststoffen und biologisch abbaubaren Kunststoffen. Nicht überall, wo Bio draufsteht ist auch Bio enthalten. Biologisch abbaubare Kunststoffe enthalten teilweise auch wieder erdölbasierende Polyester. Diese Biomaterialien bringen aber eine geringere Festigkeit und damit einen höheren Materialverbrauch. Bei einem weltweiten großflächigen Einsatz von Biofolie steht der Flächenverbrauch für die nachwachsenden Rohstoffe in direkter Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion, denn diese werden teilweise aus Asien und Afrika importiert. Biofolien aus Lebensmittelresten und Holz befinden sich noch in der Entwicklungsphase und sind industriell aktuell nicht nutzbar. 

In letzter Konsequenz muss aber immer wieder die gesamte Prozesskette betrachtet werden. Eine Überführung von Biofolienabfällen in industrielle Kompostieranlage ist technisch aktuell (noch) nicht möglich. Eine Kompostieranlage kann herkömmliche Folie und Biofolie nicht unterscheiden. Die Folienbestandteile werden also ausgesiebt und landen als Restmüll auf der Deponie, da die Entsorgungskette nicht geschlossen funktioniert. Die Zuführung herkömmlicher Folie in den entsprechend sehr gut ausgebauten Recyclingkreislauf ist daher die wesentlich bessere und ökologischere Lösung. Das Umweltbundesamt hat daher ein Gutachten in Auftrag gegeben, in welchem Materialien, Produkte und Standards der biologischen Abbaubarkeit beschrieben und die Verwertung betreffender Abfälle in fünf Mitgliedsstaaten der EU vergleichend dargestellt werden. Dem Gutachten zufolge liegt der Anteil von Biokunststoffen in der globalen Kunststoffproduktion mittlerweile bei 1,3%. Laut Definition ist ein Kunststoff dann biologisch abbaubar, wenn er durch Mikroorganismen unter Sauerstoffzufuhr in Kohlenstoffdioxid, Wasser, mineralische Salze und Biomasse zersetzt wird oder wenn er ohne Sauerstoffzufuhr in Kohlenstoffdioxid, Methan, mineralische Salze und Biomasse umgewandelt werden kann. Dabei gilt zu beachten, dass nicht alle biobasierten Kunststoffe biologisch abbaubar sind und zugleich nicht alle biologisch abbaubaren Kunststoffe biobasiert sind. Wie das Gutachten ebenfalls zeigt, benötigen die Polymere, abhängig von den Temperaturen, der Sauerstoffzufuhr und ob sie im Boden oder in Süß- oder Meerwasser abgebaut werden bis zu zwei Jahren für ihren Abbau. Nach Stellungnahem des Bundesumweltministeriums sind Biofolien Stand heute nicht nachhaltiger als Folie aus konventionellem Kunststoff.

Unser Fazit:

In einem B2B Kreislauf verantwortungsvoller Unternehmen mit zertifizierten und klar geregelten Recyclingprozessen sowie der verlässlichen Zuführung der Wertstoffe in den Rohstoffkreislauf bietet die Gesamtbilanz von Luftpolsterfolie gegenüber Packpapier die bessere Energiebilanz. 

Das sollte uns aber nicht daran hindern über weitere Optimierung und Reduzierung von Verpackungsmüll nachzudenken. Wir bieten hier seit Jahren den Kunden die Möglichkeit die Lieferfrequenz zu reduzieren und damit durch Konsolidierung der Bestellungen den Verpackungsaufwand und auch den CO² verursachenden Transport zu optimieren.

Auf unserer Homepage ist ein entsprechendes Formular unter Nachhaltigkeit Logistik - Lieferrhythmus (streit.de) abrufbar das die Optimierungsmöglichkeiten aufzeigt, die Belieferungsprozesse optimal auf Ihre individuellen Wünsche anzupassen und Belieferungsintervalle an ökologischen und ökonomischen Standards auszurichten.

 

Ich würde mich freuen, wenn wir hierzu im Dialog bleiben würden.

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